Ich bin Veganer – mein Partner und meine Familie aber nicht

 

Meine größte Hemmung mich ausschließlich vegan zu ernähren, war zu Beginn tatsächlich nicht die Angst vor dem Verzicht, sondern die Angst vor den Reaktionen meines Partners und meiner Familie. Man wollte irgendwie nicht aus der Reihe tanzen und hatte Bedenken, was einem alles um die Ohren gehauen wird. Und wie sollte es anders sein – keiner war begeistert und hat vor Freude laut aufgeschrien – die Reaktionen waren eher reserviert. Und an dieser Stelle ist es entscheidend, wie man selbst darauf reagiert. Denn jetzt mit Fakten um sich zu werfen, den Anderen Vorwürfe zu machen und belehren oder gar direkt auch zum Veganer machen zu wollen, ist selten zielführend.

Sinnvoller ist es zum Beispiel, wenn man diese Entscheidung mitteilt und im gleichen Zuge sein Umfeld beruhigt, dass sich die Anderen nicht anpassen müssen. Die ersten Reaktionen sind in der Regel auch eher sowas wie Sorge, dass das arme Kind nicht mehr genügend Nährstoffe bekommt und bald an Mangelerscheinungen leiden könnte. Hierüber sollte man sich nicht ärgern, sondern lieber Verständnis zeigen, denn man selbst wusste es damals ja auch nicht besser.

 

Wie kann ich mit meinem Partner darüber sprechen?

Ich habe meinem Partner zum Beispiel meine Entscheidung mitgeteilt und ihm gesagt, dass ich Zuhause nur noch vegane Gerichte kochen möchte. Wenn er dann noch etwas wie Fleisch, Fisch, Käse oder Ei dazuhaben möchte, dann kann er oder ich es separat zubereiten. Genauso habe ich ihm gesagt, dass ich nicht mehr aus freien Stücken tierische Produkte einkaufe und wenn er sie haben möchte, soll er es einfach auf den Einkaufszettel schreiben und dann bringe ich es mit.

Und Freunde, der Ton spielt die Musik 😉 Man neigt dazu, dass man von Allen irgendwie Verständnis gegenüber seiner Entscheidung gebracht bekommen möchte, aber denkt auch daran, dass man selbst Verständnis für die Personen aufbringt, die erstmal nicht vegan leben möchten und Angst davor haben, dass man ihnen jetzt versucht etwas schlecht zu reden oder wegzunehmen. Und am liebsten würde man allen Personen sofort sämtliche tierischen Produkte unzugänglich machen, denn man weiß ja nun, wie schädlich sie für Mensch, Tier und Umwelt sind.

Was ich damit sagen möchte ist, dass man einen Menschen nicht einfach von jetzt auf gleich unfreiwillig aus seiner Komfortzone holen kann. Menschen sind Gewohnheitstiere und irgendwann werden sie sich auch daran gewöhnen, dass man auf einmal einen Veganer in der Familie hat. Und in den meisten Fällen passiert es sogar, dass sich die Familie anfängt für das Thema zu interessieren und gewisse Dinge zu hinterfragen. Meine Mutter zum Beispiel trinkt mittlerweile gar keine Kuhmilch mehr, sondern hat nur noch Mandel- und Hafermilch im Kühlschrank. Und wenn ich zu Besuch bin, dann fragt sie mich was sie kochen soll oder ich koche einfach selbst.

Menschen sind nämlich durchaus in der Lage sich zu verändern und sich für neue Dinge zu interessieren, solange man es ihnen nicht aufdrängt und sie nicht angreift.

 

Was mache ich, wenn ich auf Feiern eingeladen bin?

Also bei mir persönlich wissen mittlerweile alle dass ich mich vegan ernähre und entweder werde ich gefragt, was ich essen will, bzw. was ich noch essen kann (man gewöhnt sich an die Frage) oder aber ich frage einfach selbst nach, ob es okay ist, wenn ich mir was Eigenes mitbringe.

Wenn es sich um keine engen Freunde oder die Familie handelt, kann man aber auch einfach vorher was essen und isst dann vor Ort einfach nichts mehr. Man muss nicht mal mitteilen, dass man Veganer ist, ich persönlich antworte einfach mit, „nein danke, ich habe schon gegessen“ und schon hat sich die Sache erledigt.

 

Und was, wenn ich irgendwo zu Kaffee und Kuchen eingeladen bin?

Ja, wer kennt es nicht, die Geburtstagseinladung bei Oma zum Kaffee und Kuchen mit fetter Torte und Schlagsahne.

Wie kann ich jetzt als Veganer denn mit so einer Situation umgehen ohne eine riesige Diskussion anzuzetteln und die arme Oma nicht unglücklich zu machen? Denn während unsere Generation und sogar unsere Eltern dem Thema Veganismus gegenüber noch recht aufgeschlossen sind, zeigen unsere Großeltern meistens komplettes Unverständnis. Das hängt natürlich damit zusammen, dass diese Generationen noch die Kriegszeiten im Kopf haben und so etwas wie Fleisch, Fisch und Milch als ganz besondere Lebensmittel galten.

Ich persönlich habe zwei Optionen:

  1. Ich kündige an, dass ich auch einen Kuchen backen möchte und bringe einen tollen veganen Kuchen mit (ohne dass ich erwähne, dass er vegan ist)
  2. Ich trinke meinen Kaffee schwarz und esse einfach keinen Kuchen

Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass man durchaus auch einfach mal nein sagen kann und zu nichts gezwungen wird.

 

Wie schaffe ich es, dass sich meine Familie und Freunde für das Thema interessieren?

Meistens hilft es schon, wenn man einfach nichts tut und sein Ding durchzieht. Lasst die Leute einfach auf dich zukommen.

Jedes Mal wenn ich für andere koche oder backe, bekomme ich Komplimente, wie lecker es doch geschmeckt hat und dass sie gar nicht glauben können, dass das komplett vegan war. Und diese kleinen Handlungen führen schon dazu, dass es etwas in den Köpfen der Leute auslöst, nämlich so etwas wie „so schlecht ist die vegane Küche ja gar nicht“ und „vielleicht ist dieses vegan ja doch eine ganz gute Sache“.

Dieses Phänomen gibt es übrigens in ganz vielen Situationen, die wahrscheinlich jeder kennt. Wenn man von jemandem nicht richtig beachtet wird, dann schenkt man der Person nur umso mehr Aufmerksamkeit. Oder wenn man unbedingt möchte, dass sich die Katze bei dir auf den Schoß setzt und man sie die ganze Zeit versucht anzulocken und dann setzt sie sich ausgerechnet bei der Person auf den Schoß, die sie am wenigsten beachtet.

Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass man seine Mitmenschen nicht mehr beachten soll, aber ich denke die Message ist klar 😉

Und übrigens: Mein Partner hat noch kein einziges Mal seitdem ich mich vegan ernähre ein einziges tierisches Lebensmittel auf den Einkaufszettel geschrieben, obwohl es ihm freisteht und er weiß, dass ich es ohne zu diskutieren sofort kaufen würde. Es scheint manchmal einfach die Option auszureichen, dass man es könnte, wenn man wollte.

Habt Mut und macht das, wovon ihr überzeugt seid ♥

 

Bleibt gesund und glücklich.

Eure Anna